Musikalische Vielfalt in einer kalten Festhalle
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- Veröffentlicht: Montag, 16. Dezember 2024 00:01
- Geschrieben von Die Badische Zeitung
Gleich zwei Jahreskonzerte boten sich Blasmusikfreunden am Wochenende in Weil am Rhein. Vorweihnachtlich war die Stimmung in Haltingen. Dass es den Besuchern nicht recht warm wurde, lag nicht am Können des Musikvereins.
Der Musikverein Haltingen begab sich auf musikalische Weltreise. Foto: Martina David-Wenk
Von Martina David-Wenk
Engel auf den Tischen, Weihnachtsgebäck in Notenform, der Musikverein Haltingen bemühte sich bei seinem Jahreskonzert um viel Weihnachtsambiente in der Festhalle am Ortsrand. Dass die Stadtmusik Weil ihr Konzert vorgezogen hatte und plötzlich zwei Vereine der Stadt zum Musikgenuss luden, bedauerte der Vorsitzende Jürgen Wehrle, die Halle war dennoch recht gut gefüllt.
Die Haltinger schätzen ihren Musikverein. Das Konzert ist für manche ein Familienereignis. Großeltern, Eltern, jüngere Geschwister kommen zum ersten Auftritt, Nachbarn treffen sich beim musikalischen Plausch und wie immer übernimmt der befreundete Gesangverein die Bewirtung.
Es hätte gemütlicher sein können, wenn die Heizung funktioniert hätte, auch beim Konzert des Musikvereins war der Sanierungsrückstand der Festhalle Thema – unbeabsichtigt. Denn eigentlich war Harmonie angesagt an diesem Abend. Harmonie in der Vielfalt, "Culture clash" war das Programm überschrieben. Klingt wenig harmonisch, weshalb der Musikverein bis zum Konzertende dankbar für einen besseren, deutschen oder alemannischen Titel gewesen war.
"Eine musikalische Weltreise" hätte das Repertoire auch nur unzureichend überschrieben. Denn die Musiker des Aktiv- und Jugendorchesters machten nicht nur musikalisch Halt auf den verschiedenen Erdteilen und den ganz verschiedenen Regionen des Erdballs, hier prallten auch völlig unterschiedliche Musikstile aus ganz unterschiedlichen Zeitepochen aufeinander. Alles steht gleichwertig nebeneinander, zur Freude des Publikums und der Musiker.
Eine Musikerin spielt Blockflöte. Foto: Martina David-Wenk
Seit Februar 2024 ist Gergö Donáth, Musikstudent aus Basel, Dirigent nicht nur des Aktiv- sondern auch des Jugendorchesters, des Nachwuchsorchesters, wie der Vorsitzende Jürgen Wehrle die zweite Garde nannte, denn ein Musikinstrument zu erlernen, wieder einzusteigen, sei ohne Altersbegrenzung, so Jürgen Wehrle.
Dieses Nachwuchsorchester eröffnete den Abend mit einem Ausflug nach Italien (Tiritomba) und in die Bundesrepublik der 1960er Jahre, sie zitierten "Eye of the Tiger" aus dem Film "Rocky III" aus den 1980er Jahren, um noch schnell sehr rhythmisch bei "African noel in Afrika" vorbeizuschauen. Als Zugabe gab es deutsche Weihnachtslieder. Das Nachwuchsorchester zeigte sich auf dem besten Weg.
Nichts ist unpolitisch dieser Tage. Das erste Stück nennt sich "Marsch der finnländischen Reiterei im Dreißigjährigen Krieg". Es geht also nach Norden und 500 Jahre zurück, doch Dominik Büchele, Trompeter und Moderator, appelliert an die schwedischen Verantwortlichen, diesem Lied doch einen anderen Namen zu geben, in diesen unfriedlichen Zeiten.
Eher zeitgenössisch ist die Suite aus "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" dem Kultfilm aus Tschechien. Das Orchester zeigt sich hier von seiner konzertanten Seite, wie auch beim dreiteiligen Stück "Cordilleras de los Andes", einem Klanggemälde aus Südamerika.
Die 28 Aktivmusiker tauchten mit Abba in die 1970er bis 1980er Jahre ein und heizten mit dem Bon-Jovi-Medley auch für Rockfans tüchtig ein. Sie kamen auf Kuba vorbei und auf der Arabischen Halbinsel. Ein gefälliges, anspruchsvolles Konzert, mit dem der junge Dirigent dem Musikverein einen Weg wies.
Dirigent Gergö Donáth als Posaunist Foto: Martina David-Wenk