Musikalischer Sommerabend

Foto: MVH2021

Polkas und Märsche, aber auch moderne Rhythmen waren zu hören bei der offenen Probe des Musikvereins Haltingen am Dienstag bei der Ortsverwaltung. Die acht- bis zehnjährigen Musikschüler der Bläserklasse begannen, dann klinkte sich das Jugendorchesters ein, bevor das Aktivorchester unter dem Lindenbaum Position bezog. Die musikalische Reise führte von "Basel an mim Rhy" über den "Weinkeller" bis zur "Blues Factory". Die Musikformationen wurden von Dirigent Ádám Jakab geleitet.

Aus dem Einspringen wurde etwas Festes

Adam Jakab, ungarischer Posaunist mit Schwerpunkt Barockmusik, leitet nun Haltingens Musikverein.

Von Herbert Frey

Adam Jakab ist neuer Dirigent des Musikvereins Haltingen. Foto: Markus Schächtele

(hf). "Der Musikverein Haltingen hat ein gutes Niveau", sagt der neue Dirigent des Blasorchesters, Adam Jakab (35), der Mitte September offiziell die Nachfolge von Aaron Solberg antrat, der den Verein im Sommer wie angekündigt verlassen hatte, um eine neue berufliche Herausforderung anzugehen. Daraufhin war Jakab erst vertretungsweise eingesprungen, der vor einigen Jahren schon einmal als Jugendausbilder für den Verein tätig gewesen ist. Aus diesem "Einspringen" wurde nun ein Engagement als fester Dirigent.

Adam Jakab ist in der Stadt und in der regionalen klassischen Musikszene kein Unbekannter. So ist er für die städtische Musikschule Weil am Rhein seit 2016 als Posaunenlehrer tätig. Außerdem unterhielt er – bis zur Corona-Krise – eine rege Konzerttätigkeit als freischaffender Musiker. "Vor allem in der Schweiz war ich gut gebucht", sagt der Posaunist, der unter anderem mit dem Basler Barock-Ensemble Capriccio konzertierte. Die Barockmusik bildete bislang auch den Schwerpunkt der musikalischen Tätigkeit des Instrumentalisten, der in Zalaegereszeg in Ungarn aufgewachsen ist. An sein Musikstudium in Györ (Ungarn) schloss er 2009 ein Masterstudium an der Schola Cantorum in Basel an, das er 2012 abschloss. Nicht erst, seit die Pandemie das musikalische Leben nahezu zum Erliegen gebracht hat, trägt sich Jakab mit dem Gedanken, sich als Dirigent ein weiteres Standbein aufzubauen. Immer mal wieder sei er in der Vergangenheit kurzfristig bei Ensembles als Leiter eingesprungen, schildert Jakab. Dabei habe er Gefallen an der Arbeit am Taktstock gefunden. "Der Musikverein Haltingen ist aber mein erster Verein, den ich als Dirigent leite", informiert er.

Seine ersten Eindrücke sind durchweg positiv. "Vor allem von der Kameradschaft, dem Zusammenhalt im Verein, bin ich begeistert. Da packen die Musiker nach der Probe nie sofort die Instrumente ein und gehen nach Hause", erzählt er. Dieser stetige und enge Austausch wirke sich auch musikalisch positiv aus. So beeindrucke das Blasorchester durch eine große Geschlossenheit und ein harmonisches Zusammenspiel, umreißt der neue Dirigent die Stärke der Haltinger Musiker. Auch war er angetan davon, wie engagiert der Verein dafür gesorgt hat, dass schon im Juli ein Probenbetrieb, wenn auch mit Einschränkungen, wieder möglich war.

Jakab hofft, dass das fürs Jahresende geplante Jahreskonzert nicht auch noch der Pandemie zum Opfer fällt. "Wir proben dafür jedenfalls eifrig und studieren auch neue Stücke ein", schildert er. Unter seiner Regie wird unter anderem neu ein Medley der bekanntesten Songs von Frank Sinatra einstudiert, denen Jakab eine jazzige Note verleihen will. Er kann sich auch vorstellen, mit Blasmusik aus seiner Heimat Ungarn Akzente zu setzen. "Da bin ich aber noch auf der Suche nach einem geeigneten Stück", teilt Adam Jakab mit, der in Lörrach wohnt.

Der Posaunist, der auch forschend tätig ist, hat sich im Lockdown auch musikalisch breiter aufgestellt. So gehört er der von Kai Trimpin neu gegründeten Formation Quarantett an, die mit originaler Allgäuer Ländlermusik den Weiler Kultursommer bereicherte. Trimpin war früher bekanntlich selbst einmal Dirigent der Haltinger Musiker und leitet heute die Weiler Stadtmusik.

Musikalischer Sommerabend im Freien

  Foto: zVg

Wie es schon Tradition ist, hat der Musikverein Haltingen seine letzte Probe vor den Sommerferien als Platzkonzert veranstaltet, genannt „offene Probe“. Allerdings war es in diesem Jahr auch die erste Gelegenheit, dass die Musiker öffentlich auftreten konnten. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Jürgen Wehrle boten die 25 Musiker aus dem Aktivorchester unter der Leitung von Ádám Jakab einen Querschnitt aus ihrem Repertoire.

Dabei reichte das Spektrum von traditioneller Blasmusik wie Marsch und Polka bis zu modernen Rhythmen und bekannten Evergreens. Die musikalische Reise führte von „Basel an mim Rhy“ über Böhmen und 80er-Kult-Songs bis zu Hans Zimmers „Piraten der Karibik“. Nach einem einstündigen Programm dankte der Vorsitzende Musikern und Publikum, und der musikalische Sommerabend wurde mit dem Badner-Lied als Zugabe abgeschlossen

Musikalischer Abendgruß

 

Eine Musikergruppe des Musikvereins Haltingen spielte in den Reben. / Foto: zVg/Joachim Pinkawa Foto: Weiler Zeitung

Von Joachim Pinkawa­

Weil am Rhein-Haltingen: Mit einem musikalischen Gruß überraschte eine 17-köpfige Musikergruppe des Musikvereins Haltingen unter Leitung des Vorsitzenden Jürgen Wehrle die Haltinger Bürger. „Wir haben uns jetzt acht Wochen nicht gesehen und auch nicht gemeinsam musiziert, und wenn auch unter besonderen Umständen wollten wir einfach mal wieder gemeinsam Musik machen und gleichzeitig den Menschen im Dorf ein musikalisches Lebenszeichen schicken“, erklärte Wehrle.

Mit den gebotenen Abständen hatten sich die Musiker auf einem der Wege durch die Reben oberhalb der Kirche und des Friedhofs von Haltingen platziert und schickten mit dem „Basler Marsch“ (M. Haag) und „Auf der Vogelwiese“ (J. Poncar) ihren zünftigen Musikgruß hinunter ins Dorf. Erkennbar lauschten entlang des Dorfrands sogleich einige Menschen verwundert und winkten aus der Distanz.

Musik ist weithin hörbar

Dass die Musik, gemischt mit üppigem Vogelgezwitscher aus den Gärten der Wohnbebauung, bis fast zur Freiburger Straße zu hören war, verdeutlichte der Ehemann einer Musikerin durch den per Messenger übermittelten Mitschnitt aus dem Dachfenster an der Hermann-Brian-Straße. Vereinzelt hatten sich sogar einige wenige Interessenten auf den Weg gemacht den musikalischen Klängen etwas näher zu lauschen, wie man beim „Abstieg“ vom Weinberg feststellen konnte.

„Es war uns ein Bedürfnis und eine Freude zugleich“, stellten die Musiker zufrieden und erfreut für sich fest – und den Menschen, die es hören konnten, allem Anschein nach auch.